Ein guter Freund von mir hat sich umfangreich mit den verschiedensten Religionen beschäftigt, und regelmäßig diskutieren wir ausgiebig unseren persönlichen Glauben.
„Ich respektiere Leute, die an Gott glauben, aber kann mich selber nicht dazu bringen“, sagte er einmal. „Es ist einfach kein Gefühl dafür da, und mir fehlt das tiefere Verständnis für spirituelle oder übernatürliche Aspekte.“
Ich konnte dem mitfühlen, besonders seine Aussage über das Übernatürliche – für viele Menschen ist das ein heikles Thema oder schlicht Neuland.
Auch ich kann nicht unbedingt etwas Bestimmtes fühlen, wenn es um den Glauben geht. Ich glaube, weil ich dahingehend eine Wahl getroffen habe, Glaube ist für mich eben eine Entscheidungssache.
Ich habe im Nachhinein lange über unser Gespräch und meine Antwort nachgedacht. Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem Glaube etwas Alltägliches war, obwohl ich in meiner Jugend nicht selten gewisse Aspekte hinterfragt habe. Viele meiner Altersgenossen und Vorbilder berichteten mir von Erfahrungen, die bei der Glaubensfindung behilflich waren. Viele dieser Erfahrungen grenzten dabei am Übernatürlichen – Zeichen, Träume und mysteriös, unerklärliche Umstände, die schlicht als Wunder bezeichnet werden können. Selber hatte ich solche Erlebnisse nie und versuchte dann und wann eine logische Erklärung dafür zu finden.
Was ich allerdings erfahren durfte, waren simple Manifestationen von Gottes Liebe und Fürsorge in meinem Alltag. Obwohl einige Situationen auch als glückliche Zufälle oder Großzügigkeit anderer abgetan werden könnten, stimmten sie doch mit der Wesensart und Essenz Gottes überein, wie sie mir vermittelt wurde und ich sie in Gottes Wort erkennen konnte. Durch diese kleinen Wunder fühlte ich mich von Gott geliebt und wohl umsorgt, und ich wusste in meinem Herzen, dass Jemand immer auf mich aufpasst. Ich entschied mich zu glauben, dass Gott es war, der in meinem Leben wirkt, obwohl ich nie die großen Wunder und Zeichen erleben durfte wie andere Menschen. Es waren die kleinen Dinge, die mein Leben über die Jahre hinweg positiv beeinflusst hatten.
Ich führe ein eher unkonventionelles Leben, aber Gott hat immer auf mich aufgepasst, und ich habe den inneren Frieden, dass Er dabei auch nicht nachlassen wird. Mein Leben ist in Seiner Hand. Gefühle spielen in dem Fall für mich keine große Rolle. Ich glaube, weil ich mich dazu entschieden habe.
Lily Neve ist Mitglied von The Family International (TFI) in Südost-Asien.
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Vernachlässige nicht deine Fähigkeit des kritischen Denkens. Entsinne dich daran, wir haben einen rationalen Gott, der uns in seinem Angesicht geschaffen hat. Gott lädt uns ein und erwartet von uns, seine doppelseitige Offenbarung zu erforschen – die der Natur und die der Heiligen Schrift. Er hat uns das Vermögen gegeben, unseren christlichen Geist zu entwickeln, um seine wunderbare Wahrheit auf jeden Aspekt dieser modernen und postmodernen Welt anwenden zu können. – John Stott, anglikanischer Geistlicher

